von Isabella Kreim
„Vernunft - Natur – Weisheit“, steht über dem Vorhang. Die drei Ideale in Sarastros Reich. Damit ist der humanistischen Botschaft von Mozarts „Zauberflöte“ aber auch bereits genüge getan. In dieser Inszenierung wird alles Bedeutungsschwangere, jedes Freimaurer-Pathos souverän über Bord geworfen und fröhlich volkstheaterhaft wie in einem bunten Bilderbuch des 19. Jahrhunderts erzählt.
Der inzwischen 90jährige legendäre Regisseur, Bühnenbildner und Bildende Künstler Achim Freyer, der „Die Zauberflöte“ bereits bei den Salzburger Festspielen 1997 provokativ als Zirkustheater auf die Bühne gebracht hat, inszenierte 2022 auch am Staatstheater Meiningen die letzte Mozartoper. Diese Produktion ist nun am 7. Mai noch einmal als Gastspiel im Stadttheater Ingolstadt zu sehen.
In Mozarts „Zauberflöte“ haben der Komponist und sein Librettist Emanuel Schikaneder munter Volkstheaterelemente, Märchenmotive und humanistische Ideale der Aufklärung vermischt. Für eine Interpretation erschwerend kommt dazu der Bruch, dass aus der mütterlich besorgten Königin der Nacht und dem bösen Kindesentführer Sarastro des Ersten Akts schließlich der weibliche Racheengel der Finsternis und der weise Gutmensch Sarastro werden.
Achim Freyer löst diesen Widerspruch auf eigenwillige Weise. Es gibt kein Happyend durch die Versöhnung der Gegensätze des weiblichen und männlichen Prinzips durch das neue Herrscherpaar Tamino und Pamina. Obwohl die Priester aus großen Rohren auf die Mächte der Finsternis geschossen haben, ist es der Königin der Nacht, ihren drei Damen und Monostatos, offenbar gelungen, den Sonnen-Tempel zu zerstören. Auch Sarastros Strahlenkranz auf dem Kopf ist schwer ramponiert. Tamino und Pamina sind verschwunden, der Chor jubelt auf der Seite neben der Bühne durch diese Umdeutung ziemlich sinnfrei über den Sieg des Lichts über die Finsternis.
Abgesehen von diesem rätselhaft Schluss, gibt es wenig nachzudenken, aber viel zu sehen in dieser Aufführung. Clownesk geschminkte Augen, grotesk weite Hosen für Papageno und Tamino, der aussieht wie ein verlorener Kasper Hauser: Immer wieder prägen Zirkus- oder Commedia-dell-Arte-Elemente diese Inszenierung. Ein Füllhorn an bunten, lustigen Einfällen aus dem Repertoire kindlich-naiver Freuden. Achim Freyers fröhliche "Zauberflöte" ist vom Bildungs-Tempel der großen Hoftheater wieder zu ihrem Ursprung zurückgekehrt. Wie bei ihrer Uraufführung im volksnahen Wiener Vorstadt-Theater auf der WIeden.
Foto: Christina Iberl