Gespräch mit Anne-Sophie Mutter nach ihrem Konzert bei den Audi Sommerkonzerten
Standing Ovations im ausverkauften Theaterfestsaal für die Geigerin Anne-Sophie Mutter, die ...
Gibt es einen schöneren Sphärenklang, als mit den Finger über den Rand eines wassergefüllten Glases zu streichen?
In einer Zeit, in der man nicht nur Klingeltöne sondern alle möglichen Sounds herunterladen kann, ist es besonders reizvoll, wie man alle Geräusche, auch die einer futuristischen Weltraumexpedition selbst erzeugen kann, z.B. mit Haushaltsgeräten, mit Bohrmaschine, Kartoffelpresse, Stabmixer, Kaffeemühle, Reibe, Luftpumpe, Xylophon und natürlich mit der menschlichen Stimme.
Im Jungen Theater Ingolstadt ist ein 90minütiger Extrakt aus den „Sterntagebüchern“ von Stanislaw Lem als Live-Hörspiel zu erleben.
Regisseur Eike Hannemann ist erfahren in diesem Format. Und so hat er aus den vielen einzelnen Episoden und unterschiedlichen Reisen des Astronauten Tichy bei Stanislaw Lem ein spannendes, in sich abgerundetes Weltraumabenteuer gebaut, und er lässt seine Darsteller auch sehr abwechslungsreich, und durchaus auch mit Ganzkörpereinsatz ,das Geräusch-Instrumentarium bespielen.
Oliva Wendt, Christina Völz und Michael Amelung sind hier weniger in ihrer Figurencharakterisierungskunst als Weltraumfahrerin, Elektronengehirn oder Weltraumforscher gefragt. Sie müssen den Text auch nicht vollständig auswendig beherrschen. Aber sie mussten die Choreographie der rasanten Benutzung all dieser Gegenstände, die auf dem Tisch und um den Tisch liegen, zur partiturmäßig exakt getimten Geräuscherzeugung einstudieren, mit den Füssen Schritte imitieren, aufstehen und ein Donnerblech bedienen – und gleichzeitig sprechen. Und deshalb gibt es bei diesem „Kino für die Ohren“ auch viel zu sehen. Nämlich mit welchen Mitteln, in Noppenfolie hauchen für das Eingießen von Tee, Kartoffelpresse Klappen für das Schließen der Raumschiffluke oder gar für die ohrenbetäubenden Meteroriteneinschläge diese extraterrestrischen Sounds erzeugt werden und auch, wie die Akteure dabei notgedrungen an den Rand ihrer Multitasking-Fähigkeiten geraten.
Hatte Ausstatterin Birgit Stössl also lediglich einen halbrunden, schwarz lackierten Tisch mit all den Utensilien zur Geräuscherzeugung bereit zu stellen? Keineswegs. Auf den schrägen Bühnenboden rund um den Tisch gibt es Projektionen. Von abstrahierten Sternen und schließlich von Schraubenschlüssel und Steak, die als Monde um die Rakete kreisen, weil Astronautin Tichy sie ins All fallen ließ.
Die Kostüme treffen den auch satirischen Fictionblick von Stanislaw Lem auf dieses Star-Wars-Genre. Astronautenlook in crazy lila oder blasslila bis in die Haarspitzen.
Der Reiz von Stanislaw Lems Sterntagebüchern liegt in einer kruden Mischung aus philosophischen Gedanken über Identität, Wirklichkeit und technologischen Fortschritt und satirischen Seitenhieben auf die realen Fehlentwicklungen der Erdbewohner.
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„Sterntagebücher“ im Jungen Theater ist eine aberwitzige Gedankenreise für Menschen ab 12 Jahren, die unsere irdische Selbstwahrnehmung heftig aus der Bahn katapultiert, wobei die herrlich abstrus erzeugten Geräuschkulissen dem Tiefsinn über Identität, Aufrüstung, terrestrische und kosmische Gefahren und künstliche Wesen die für ein junges Publikum besonders nötige Leichtigkeit und Unterhaltsamkeit gibt.
Foto: Germaine Nassal