„Die Geierwally“ als groteske Schaubuden-Moritat im KH des Stadttheaters Ingolstadt
Als groteske Schaubuden-Moritat mit Musik in einer Mischung aus Schauspiel und ...
Am Freitag war im Rahmen des Festivals „Besondere Blickwinkel“ eine Neuproduktion des Kunstzentrums Besondere Menschen Ingolstadt zu sehen, das im Herbst mit „Interaktion 2.o“ begeistert hat. Diesmal war es die Form einer multimedial inszenierten Modenschau, mit der Menschen mit Behinderung unter dem Titel „Moon River“, sich auf einem Catwalk auf der Großen Bühne des Stadttheaters zeigen konnten. Der Titel nimmt Bezu auf einen Song für Andrey Hepburng für den Film „Frühstück bei Tiffany“, in dem sie ein teures schwarzes Abendkleid trägt, das zum Inbegriff modischer Eleganz geworden ist.
Sich zu zeigen, sichtbar zu werden, ist ein wichtiges Anliegen für Menschen mit Behinderung, und dafür spielt auch das, was sie anziehen, eine große Rolle. Kleidung, die gut aussieht, die ihnen auch mal Glamourelemente beschert, die schick und elegant und dennoch bequem ist, ihre Bewegungsmöglichkeiten nicht einschränkt. Kleidung, mit der sie ihre Persönlichkeit, ihren Geschmack, ihre Zugehörigkeit, ihren Lifestyle ausdrücken können, wie jeder das tut, wenn er sich für sein Outfit entscheidet.
In einer Eingangsszene träumt ein Kind davon, Modedesigner für Besondere Menschen zu werden. Eine wunderbare Einstimmungs-Utopie, bevor die einzelnen Models auch mit Gehwagen und Rollstuhl in meist schwarzen, wie Seide, Samt oder Leder glänzenden schick asymmetrischen Gewändern oder mit einem mit Stoffrosen verzierten Oberteil den Laufsteg zwischen den auf der Bühne sitzenden ZuschauerInnen entlanggingen oder rollten. Dazu spielte eine wunderbare Live-Band, der sich auch ein Model mit Blasinstrument dazugesellte.
Eine junge Tänzerin hat Spaß an sexy Posen wie die eines Hollywoodstars, ein Tänzer schlägt ein Rad, es wird getanzt, mit und ohne Rollstuhl.
Und dazwischen haben die PerformerInnen in Videointerviews artikuliert, wie wichtig es für sie ist, selbst darüber entscheiden zu können, was sie anziehen wollen, und wie schwierig es für sie ist, Kleidung einzukaufen. Keine Barrierefreien Geschäfte, viel zu enge Umkleidekabinen, kaum Auswahl für die Bedürfnisse von Menschen mit körperlichen Defiziten, z.B. Kleidung, die viel zu kompliziert anzuziehen ist. Professionelle Lichtwechsel, eine live-Kamera mit Projektionen von Großaufnamen: Die künstlerische Leiterin des Abends und des Kunstzentrums für Besondere Menschen Maria Tietze hat wieder ihr ganzes Theater-Know-How aufgeboten, um ihre Schützlinge in eine wirkungsvolle Theatershow einzubinden.