Rarität von 1931: Schutzumschlag von Marieluise Fleißers Roman an Fleißerarchiv übergeben

Rarität von 1931: Schutzumschlag von Marieluise Fleißers Roman an Fleißerarchiv übergeben

Der Kulturreferent, die Archivleiterin, der Vorsitzende der Marieluise-Fleißer-Gesellschaft, der Literaturwissenschaftsprofessor von der LMU München: Sie alle tragen dünne weiße Handschuhe, wie sie Restauratoren und Ausstellungsmacher im Umgang mit sehr teurer und sehr empfindlicher Kunst tragen.
Das kostbare Exponat um das es geht ist ein Schutzumschlag für ein Buch. Nicht irgendein Buch. Sondern der Umschlag für die Erstausgabe von Marieluise Fleißers Roman „Mehlreisende Frieda Geier. Roman vom Rauchen, Sporteln, Lieben und Verkaufen“, der 1931 im renommierten Kiepenheuer Verlag erschienen ist Dieser Schutzumschlag  wurde gestern im Ingolstädter Fleißerhaus dem Fleißerarchiv im Zentrum für Stadtgeschichte übergeben.

Warum dieser Schutzumschlag so wertvoll ist, liegt besonders an dem Gestalter. Georg Salter war einer der wichtigsten Graphikdesigner im Berlin der 1920er und frühen 30er Jahre und später in den USA, wohin er wegen seiner jüdischen Abstammung emigrieren musste, obwohl seine Eltern bereits bei seiner Geburt konvertiert sind. Die berühmte Gestaltung von Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ stammt von Salter, aber auch die Umschläge von Lord oft he flies von William Golding oder Carl Zuckmayers the moon rides over hat er als George Salter dann in New York entworfen.

Vor 5 Jahren erzielte die Erstausgabe von Marieluise Fleißers Roman „Mehlreisende Frieda Geier“ mit diesem Umschlag von Georg Salter bei einer Aktion satte 2600 Euro.

Prof. Dr. Gustav Frank, Literaturwissenschaftler von der LMU München, hat sich mit diesem Stück deutscher Verlags- und Design-Geschichte befasst. Und er bezeichnet diesen Roman als einen Meilenstein der modernen Stadt-Literatur, vergleichbar mit dem „Ulysses“ von James Joyce.
„Erfolg“ von Lion Feuchtwanger, Werke von Stefan Zweig oder Alexander Lernet-Holenia werden als weitere Publikationen des Kiepenheuer Verlags auf diesem Schutzumschlag des Fleißer-Romans von 1931 beworben. Eine Frau ist nicht dabei. Auch das zeigt die Ausnahmestellung der jungen Fleißer im Literaturbetrieb ihrer Zeit.
Und wie aktuell dieser  Roman noch ist, kann man bei einer Bühnenfassung unter dem späteren Titel „Eine Zierde für den Verein“ im Marstall des Münchner Residenztheaters erleben. Die Inszenierung der jungen Regisseurin Elsa-Sophie Jach steht seit November 2024 auf dem Spielplan. Die nächste Vorstellung ist am 23. April.

Rarität von 1931: Schutzumschlag von Marieluise Fleißers Roman an Fleißerarchiv übergeben