Umjubelt. Jazz meets Orchester unter Andreas Hofmeir
Es geht nicht automatisch gut, wenn man ziemlich Unvereinbares zusammenspannt, etwa ...
Das Ingolstädter Theaterpublikum bejubelt mit Standing Ovations eine Theateraufführung, die kein musikalisches Unterhaltungsspektakel, sondern eine sehr anspruchsvolle Auseinandersetzung mit aktuellen Identitätsdiskursen ist.
Spielt es wirklich keine Rolle, ob jemand männlich, weiblich oder divers, weiß oder farbig ist, welcher Religion, welcher Minderheit, welcher Gruppe jemand angehört?
Diese Überzeugung, ausschlaggebend sei allein ihre professionelle Einschätzung als Medizinerin, wird einer Ärztin zum Verhängnis. Sie ist weiblich, weiß, Jüdin, Akademikerin und erfolgreiche Leiterin eines Instituts zur Erforschung von Alzheimererkrankungen und Ärztin. Dr. Ruth Wolff, die zeitgenössische Variante des jüdischen Arztes Professor Bernhardi aus dem gleichnamigen Drama von Arthur Schnitzler.
„Die Ärztin“, eine grandiose Neufassung von „Professor Bernhardi“ des britischen Autors Robert Icke geriet in der großartigen Inszenierung von Nurkan Erpulat zu weit mehr als einem Debattierstück über die irritierend komplexen Fallstricke, sich gegenüber irgendeiner Gruppenzugehörigkeit oder Minderheit diskriminierend zu verhalten. Diese Aufführung ist mit einem ohne Ausnahme starken Ensemble und mit Victoria Voss als herausragender Protagonistin ein packender, spannender, hoch emotionaler Theaterabend, der unter die Haut und an den Intellekt geht, die Mechanismen aktueller Fälle politisch instrumentalisierter Aufregungen offenlegt und jeden Einzelnen in den Verunsicherungen um Political Correctness, öffentlichen Druck und unterschwellige Vorurteile herausfordert.
Foto: Germaine Nassal