Großartiger Theaterabend: „Die Ärztin“ im Stadttheater Ingolstadt – Premierenbericht

Großartiger Theaterabend: „Die Ärztin“ im Stadttheater Ingolstadt – Premierenbericht

Das Ingolstädter Theaterpublikum bejubelt mit Standing Ovations eine Theateraufführung, die kein musikalisches Unterhaltungsspektakel, sondern eine sehr anspruchsvolle Auseinandersetzung mit aktuellen Identitätsdiskursen ist.

Spielt es wirklich keine Rolle, ob jemand männlich,  weiblich oder divers,  weiß oder farbig ist, welcher Religion, welcher Minderheit, welcher Gruppe  jemand angehört?
Diese Überzeugung, ausschlaggebend sei allein ihre professionelle Einschätzung als Medizinerin, wird einer Ärztin zum Verhängnis. Sie ist weiblich, weiß, Jüdin, Akademikerin und erfolgreiche Leiterin eines Instituts zur Erforschung von Alzheimererkrankungen und Ärztin.  Dr. Ruth Wolff, die zeitgenössische Variante des jüdischen Arztes Professor Bernhardi aus dem gleichnamigen Drama von Arthur Schnitzler.
„Die Ärztin“, eine grandiose Neufassung von „Professor Bernhardi“ des britischen Autors Robert Icke geriet in der großartigen  Inszenierung von Nurkan Erpulat  zu weit mehr als einem Debattierstück über die irritierend komplexen Fallstricke, sich gegenüber irgendeiner Gruppenzugehörigkeit oder Minderheit diskriminierend zu verhalten. Diese Aufführung ist mit einem ohne Ausnahme starken Ensemble und mit Victoria Voss als herausragender Protagonistin ein packender, spannender, hoch emotionaler Theaterabend, der unter die Haut und an den Intellekt geht, die Mechanismen aktueller Fälle politisch instrumentalisierter Aufregungen offenlegt  und jeden Einzelnen in den Verunsicherungen um  Political Correctness, öffentlichen Druck und  unterschwellige Vorurteile  herausfordert.

Foto: Germaine Nassal

Großartiger Theaterabend: „Die Ärztin“ im Stadttheater Ingolstadt – Premierenbericht