Jubel für „Fireworks“ von Gauthier Dance im Stadttheater Ingolstadt

Jubel für „Fireworks“ von Gauthier Dance im Stadttheater Ingolstadt

Große Begeisterung und Jubel gestern nach dem Gastspiel von Gauthier Dance mit „Fireworks“ und drei weiteren Tanzstücken im Stadttheater Ingolstadt.

Morgen Abend (20.2.)   ist noch einmal  Gelegenheit, das begeisternde Gastspiel Fireworks“ von Gauthier Dance im Stadttheater Ingolstadt zu erleben. Es wird für lange Zeit das letzte Mal sein, dass diese großartige Tanzkompagnie im GH des Stadttheaters ingolstadt auftreten kann. Das Theater wird bekanntlich geschlossen und nicht so schnell saniert werden. Überhaupt muss das Geld für Gastspiele eingespart werden.

Vielleicht, weil es  also das letzte Mal für sicher sehr lange Zeit ist, dass Gauthier-Dance auf der Großen Bühne des Stadttheaters Ingolstadt ein Gastspiel geben kann, ist diesmal Eric Gauthier selbst mit nach Ingolstadt gekommen. Und es war weder Koketterie noch prophetische Gabe, dass Eric Gautier nach dem letzten Teil des Gastspiels seiner Company Standing Ovations vorausgesagt hatte: Nach diesem vielfältigen, abwechslungsreichen Abend kann man nur begeistert jubeln!

Gauthier Dance hat in Ingolstadt eine große Fangemeinde. Die regelmäßigen Gastspiele dieser im Theaterhaus Stuttgart beheimateten Kompagnie hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Ingolstädter Theaterabonnenten sich auch für zeitgenössischen Tanz und nicht nur für Ballettklassiker wie Schwanensee begeistern können.

Und das ist kein Zufall. Der aus Kanada stammende ehemalige Solotänzer Eric Gauthier ist ein Choreograph, der Humor und Fröhlichkeit in den zeitgenössischen Tanz gebracht hat und diese oft sperrig-abstrakte Kunstform damit zugänglicher und  auf höchstem Niveau populär macht. Seine Gastspiel-Produktionen sind meist eine klug zusammengestellte abwechslungsreiche Mischung aus kürzeren Stücken, sodass keine Ermüdungserscheinungen beim Publikum auftreten. Und er lässt in der Auswahl der von ihm beauftragten Choreographen und Choregrafinnen auch andere Handschriften zu, gibt dem Nachwuchs  eine Chance.

Zum 40jährigen Jubiläum des Theaterhauses Stuttgart, in dem auch Jazzkonzerte stattfinden, hat Eric Gauthier   ein besonderes Format erfunden, das den 1. Teil des Gastspiels ausmacht. Er ließ sich eine Playlist der Best-Offs des im Theaterhaus Stuttgart gespielten Jazznummern  geben und bat 10 Choreographen und Choreographinnen – junge , aber auch renommierte wie Marco Goecke und Benjamin Millepied – jeweils eines der Musikstücke in Tanzminiaturen  zu verwandeln. Unter dem Titel Fireworks und auf einem roten Tanzteppich entstand ein abwechslungsreicher Reigen kurzer Tanzstücke nach Musik von Chet Baker, Laurie Anderson, Mercedes Sosa, Charles Aznavour, Bobby McFerrin, Phil Glass oder Oscar Peterson in unterschiedlichen Besetzungen.

Erster Höhepunkt nach der Pause war Hofesh Shechters „Bonus Track“. Es beginnt wie ein Maskenball, bis immer wieder einzelne zu Boden gebracht, ja, wir verstehen richtig, getötet werden, sodass sich der Maskenball als Totentanz entwickelt. Und doch erschrickt man, wenn am Schluss tatsächlich ein Schuss fällt.
Ein Glanzstück für Eric Gauthiers Humor im zeitgenössischen Tanz ist sein kurzes Ballettalphabet, ABC für einen Solotänzer. Begriffe des Klassischen Balletts wie Arabeske oder  Plier werden vorgeführt und dazwischen schleichen sich Ausdrücke wie erschöpft, stolz ein und Reminiszenzen an Tanzikonen wie Nijinski oder Pina Bausch, die mit einer imaginären Zigarette dargestellt wird, oder an klassisches Repertoire wie Schwanensee oder Giselle. Und plötzlich, Horror jedes Solotänzers,  taucht eine Zweitbesetzung aus der Bühnengasse auf.. Der Tänzer Shori Yamamoto muss blitzschnell von großartigen Sprüngen oder Pirouetten in kurze  schauspielerische Pantomimen voller Selbstironie wechseln, und er macht das großartig.
Zum Abschluss Ravels „Bolero“: Andonis Foniadakis setzt die Steigerung der Musik auf dem immergleichen Rhythmus mit der wenig veränderten Melodie um, indem er einen Tänzer, eine Tänzerin nach der anderen auf die Bühne holt und auf einem Trampolin tanzen lässt. Und das mitreißende an dieser energetischen Choreographie ist auch, dass sich alle dabei nicht in die Erschöpfung, sondern in eine fröhliche Gute-Laune-Ekstase tanzen.

Jubel für „Fireworks“ von Gauthier Dance im Stadttheater Ingolstadt