Pop-Art-Künstler Jim Avignon als Zeitchronist – im Neuen Kunstverein Pfaffenhofen
Comichaft aber vielschichtig erzählt der Pop-Künstler Jim Avignon aus Berlin in ...
Ludwig II und der Psychiater, damals Irrenarzt genannt, Dr. Bernhard von Gudden, der das Gutachten für die Entmündigung des bayrischen Königs verfasst hat und mit ihm auf ungeklärte Weise im Starnberger See ertrunken ist. Diese Beiden gemeinsam auf der Bühne. In einer Art Therapiesitzung. Das rote Sofa des Ingolstädter Altstadttheaters ist ein Möbelstück, das vielseitig und auch dafür Verwendung findet. Auch für das einmalige Gastspiel „Ludwig II – der bayerische Patient“ des Duos Sebastian Schlagenhaufer und Ramon Bessel letzten Freitag im Ingolstädter Altstadttheater.
Die beiden sind hier nicht unbekannt. Sie waren bereits mit dem eindrucksvollen Abend unter dem Titel „Operation Heil! Kräuter“ über mutiges Kabarett in der Nazizeit im Altstadttheater.
Nun also ein von Ludwig-Darsteller Sebastian Schlagenhofer selbst geschriebener Dialog auf der Basis historischer Quellen über Ludwig II. in einer Auseinandersetzung mit dem Arzt, dessen Gutachten über den Geisteszustands des Königs dessen Entmündigung und Absetzung ermöglicht hat, ohne den Patienten je persönlich gesehen zu haben. Ludwig versucht, die ihn belastenden Zeugenaussagen als absurde Fehlinterpretationen zu entlarven. Wenn Picasso eine blaue Phase gehabt habe, warum galt sie dann bei ihm, Ludwig, als Symptom seiner geistigen Verwirrung?
In zum Teil durchaus witzigen weil auch mit heutigen Begrifflichkeiten gespickten Dialogen werden die Grundmotive der Biografie von König Ludwig II. entwickelt Sein Sendungsbewusstsein als junger König, seine Abneigung gegenüber den beiden Kriegen, seine Homosexualität und schließlich Ludwigs Bau-Sucht, die man in moderner Begrifflichkeit auch als Konjunkturförderprogramm bezeichnen könnte.
Nach der Pause dreht Ludwig, entspannt mit einem Cocktail, den Spieß um und zwingt Gudden auf die Therapeutencouch. Mit dem Triumph der Expertise eines Psychiaters aus dem Jahr 2004, der Ludwig keine Geisteskrankheiten bescheinigt.
Und das Rätsel um den gemeinsamen Tod im Starnberger See? Mit Spannung erwartet und witzig gelöst: Sie wissen beide selbst nicht, wie das eigentlich war.
Infotainment also über eine spannende historische Konstellation. König Ludwig II und der Irrenarzt Dr. Gudden. Aber kein ganz großer Theaterabend.
Der Darsteller des Dr. Gudden, Ramon Bessel, kommt am 14. März als „Vokalpianist“ mit einem Liederabend, „Lieder zum Festhalten“ ins Ingolstädter Altstadttheater